Archiv für Februar 2006

Memories Off

Eines der faszinierenden Dinge an der Moderne: Gefühle werden zur Ware. All die Typen, die in dieser sonderbaren japanischen Gesellschaft Scheu vor Frauen und realen menschlichen Beziehungen haben, können ihre Bedürfnisse mit Videos oder an der Spielekonsole befriedigen. Etwa mit Dating-Sims, bei denen der Spieler aus einem Pool von Mädchen das Herz von einem für sich gewinnen muss. Die gibts wie Sand am Meer und haben unterschiedlich ausgefallene Hintergrundgeschichten oder sind auch mal sehr… freizügig…

Wenn sie animiert werden, können dabei zuweilen unterhaltsame oder romantische Filme herauskommen. To Heart etwa ist einfach nur nett, während Kimi ga Nozomu Eien ein packendes und zu Herzen gehendes Drama um eine Beziehung zwischen zwei Frauen und einem Mann ist. Ihre Herkunft und Zielgruppe können diese Anime jedoch selten verbergen; die männlichen Hauptcharaktere sind entweder entsprechend den Typen, die den Kram schauen, so farblos, dass es mehr als verwunderlich ist, wieso auch nur eine Frau sie mögen sollte, oder die weiblichen Figuren sind schrecklich weiblich dargestellt. Süße, aufgedrehte Mädchen mit großen Brüsten – sonderbare Geschlechterbilder von Männern in Japan, die keine Frauen zu kennen scheinen. Wobei ich mich bei so mancher Doku, die Japanerinnen abbildet, nicht selten frage, ob dieses Bild nicht tatsächlich der Realität einer streng hierarchischen und patriarchalischen Gesellschaft entspricht.

Das dreiteilige Memories Off ist einer der schlechten Vertreter seines Genres. Keine überzeichneten Geschlechtsmerkmale, aber quieksige Mädchen und ein langweiliger Typ, der seiner verstorbenen Liebe hinterhertrauert. Zumindest letzterer Aspekt hätte Potential für ausschweifende Emotionen und im Inneren ausgefochtene Widersprüche geboten, wurde aber auf ein kurzes „Ist es okay, mich wieder zu verlieben?“ – „Sie hätte es so gewollt“ reduziert. Schade. Dazu durchschnittliche Storys, fade Dialoge und eine gewöhnliche Animationsqualität. Dass allerdings nach der zweiten Fortsetzung noch eine dritte angefertigt wurde, läßt auf deren Qualitäten hoffen.

Spriggan

Die Jenossen – und eine Jenossin – hatten sich gestern auf zum Fussballspiel gemacht, um dort die Sehnsucht nach Prollerei mangels Aktivismus rauszulassen oder die Männer – inklusive der Jenossin – in sich zu finden. Kann ja auch das selbe sein. Nichts für mich, aber als adäquater Ersatz sollte ein Bollo-Anime meine Solo-Abendunterhaltung werden. Schlechte Entscheidung.

Spriggan basiert auf einer 11-teiligen Manga-Reihe über einen Top-Agenten einer Stiftung, die nach gefährlichen weil hochtechnologischen Relikten einer vergangenen Zivilisation forscht. Da allerlei Staaten daran interessiert sind, führt das zu andauerndem Zank inklusive Gebeiße und Gekratze. Trotzdem gibt es für einen episodenhaften Action-Manga einen annehmbaren roten Faden.

Der 90-minütigen Verfilmung jedoch gelingt es nicht, sich zu entscheiden, was sie aus diesen mehr als tausend Seiten für die Geschichte um die Entdeckung der und den Kampf um die Arche Noah herausgreifen will. Ein bißchen dunkle Vergangenheit der Hauptfigur hier, ein wenig Zivilisationskritik da, drei Dialoge über Menschenversuche, fünf Minuten Mysterie-Thriller. Für eine geradlinige Action-Story ist der Film zu überladen. Als Trash kann er jedoch auch nicht durchgehen, obwohl die zwei Hauptkontrahenten sich prügeln, während um sie herum die Welt untergeht; dafür meinen es die Macher/innen zu ernst. Und was soll ich einer Geschichte abgewinnen, in der hunderte Menschen wie Ameisen nur deshalb zusammengebracht werden, um zu sterben oder dem Helden zujubeln?

Die Aufsicht von Katsuhiro Otomo, einem der japanischen Meister des Films, über Spriggan scheint entweder nicht viel gebracht oder noch schlimmeres verhindert zu haben. Hinzu kommt, dass auf der deutschen DVD von OVA Films ab und zu Untertitel fehlen und bei der Abmischung des Sounds trotz DTS 5.1 die Dialoge viel zu leise sind.

Fussball war Trash. Aber wenigstens haben die Jenossen – und die Jenossin – sich dabei nicht nach der Hälfte gefragt, wann es endlich vorbei ist.

Die Geisha

Aschenputtel im Geisha-Haus. Gefühle, die unter den Zwängen der Konventionen leiden müssen. Und eine Welt der Tradition, die auseinanderfällt. Das Konzept ist nicht neu, aber es hätte was draus gemacht werden können. Stattdessen jedoch wurde es zu einer Happy End-Geschichte abgerundet. Schade, aber so muss wohl im großen Kino erzählt werden. Japan ist zerstört, das Vergnügungsviertel inkl. Tradition abgewrackt, die Begleitdame an Handarbeit gewöhnt. Super! Doch dann folgen die letzten fünf Minuten, in denen es rosarot von der Leinwand wabert. Schade. Hätten wir uns nur lieber für das andere Kino und den Charles Bukowski-Film entschieden.

ab gehts!

Hey, ein Blog. Nicht für Privatkrams. Nein nein, für freakigen Hedonismus. Wenn ich nur mit dem CMS hier endlich klarkommen würde; irgendwie passen Bild und Menu nicht überein. Mal abwarten, klappt schon. Die Brücke ist aus einem ziemlich abgedrehten Anime, FLCL. Freaks werden ’ne ganze Menge darin entdecken, Selbstreferenzierung und so, Postmoderne, blabla. Und Brücken. Nur in D-Land ist die DVD noch nicht erschienen, sehr schade.