Lovely Complex

In der Fülle romantischer Komödien unter den Anime ist es zuweilen schwer, nette Serien zu finden – zumal sich eine Vielzahl von Produktionen billiger Gender-Typologisierungen bedienen und stupide Harems-Klischees inklusive schlechter anzüglicher Witzchen für post-pubertierende Jungs oder überzogen romantisierende eindimensionale und oberflächliche Beziehungsdramen für Mädchen abliefern.

Obgleich auch in der Anime-Umsetzung des Mangas Lovely Complex die junge Koizumi Risa ihre Oberschul-Jahre durchlebt und vor Herausforderungen wie die erste Liebe oder Zukunftspläne gestellt wird, sticht die Serie durch eine Vielzahl von Eigenarten hervor. Die sind nicht nur im Setting zu suchen, dass die Hauptprotagonistin als überdurchschnittlich große Frau und ihren männlichen Widerpart als unterdurchschnittlich kleinwüchsig präsentiert. Beide Figuren sind darüber hinaus extrovertierte, schlagfertige und nicht unbedingt helle Charaktere, die fast unentwegt in einer Vielzahl schneller und hitziger Diskussionen, Streitereien und Neckereien aufeinandertreffen – Begegnungen, die dadurch noch einzigartiger werden, als dass die Handlung in Osaka spielt und alle Teilnehmenden den verschmirgelten örtlichen Dialekt sprechen.

Dadurch werden viele der typischen Erwartungshaltungen durchbrochen, die mit Shoujo-Stories einhergehen – hier wird nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und dient ein kurzer Satz des männlichen Angebeteten zur 20-minütigen Reflexion der Protagonistin, was sie wohl falsch gemacht hätte und ob sie ihren Adonis mit einer Valentins-Schokolade oder einem selbstgestrickten Weihnachtsgeschenk wieder gutmütig stimmen könnte. Zwar werden Gender-Zuschreibungen nicht durchbrochen, sondern nur angekratzt oder maximal zuweilen ignoriert, wenn der Hauptcharakter auch mal als gutmütiger Trottel mit Minderwertigkeitsproblemen oder eine Romanze nicht als Projektion, sondern Ergebnis einer langen Entwicklung und gemeinsamer Erlebnisse dargestellt wird. Doch zumindest erscheint die Geschichte dadurch nachvollziehbarer und nimmt nicht nur sich selbst und ihre Charaktere, sondern auch die Zuschauer/innen ernst, denen man nicht Plattitüden über die Jugend als Fluchtmöglichkeit aus der eigenen Erfahrung oder verklärte Erinnerung anbieten muss.

Freilich leidet auch Lovely Complex unter Problemen der Genre-Kollegen, wenn die Story sich im Endeffekt doch nur um die Beziehung der Hauptcharaktere dreht und Nebenfiguren eindimensional am Rande verbleiben. Gerade in der zweiten Hälfte der 24-teiligen Serie verliert sie zunehmend an Witz und Charme und werden fast in jeder Folge neue Herausforderungen in Form neuer Personen eingeführt, nur um daraufhin nie oder nur kurz wieder aufzutauchen. Die letzte Folge jedoch entschädigt mit einem unterhaltsamen Finale, indem sie temporeich alle Stärken der ersten Hälfte und des einzigartigen Witzes des „Comedy-Duos“ in einem Abschluss des gemeinsam beschrittenen Weges wieder zusammenbringt.

Somit erinnert die Serie zum Ende nochmal daran, dass sie über weite Strecken kurzweilige und witzige Unterhaltung anzubieten hatte, die mit vielen der bekannten Stereotypen romantischer Komödien brechen konnte. Sehr nett!


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