Shikabane Hime

Fehlt mir die Langeweile über Anime-Klischees? Shikabane Hime ist eine der Action- bzw. Shounen-Serien, die mit den gängigen Vorstellungen des Genres brechen: Der jugendliche Protagonist steht nicht unvermittelt im Mittelpunkt brisanter Ereignisse, hat nicht urplötzlich ein Tête-à-tête mit einer außergewöhnlichen jungen Frau und wird episodenhaft vor Herausforderungen gestellt, die er dank außergewöhnlicher Fähigkeiten oder schlichtweg seiner Willenskraft im letzten Moment lösen kann.

Stattdessen erleben wir in der Geschichte um buddhistische Priester, die im Verbund mit wiedererweckten Toten rachsüchtige, sich ans Leben der anderen Lebenden klammernde Leichen endgültig ins Jenseits befördern, einen schmalärmeligen Teenager. Der steht den handelnden Akteuren oftmals nicht nur im Weg, sondern sorgt mit seinen idealistischen Entscheidungen für ernsthafte Probleme. Lange Zeit kann der Anime um eine so toughe wie tote junge Frau mitreißende Action, wenn die lebenden Leichen mittels Maschinenpistolen oder Prügel ausgeschaltet werden, mit Humor und einer fortschreitenden und unvorhersehbaren Story verknüpfen, die auch vor Überraschungen wie dem wiederholten Tod wichtiger Figuren nicht zurückschreckt.

In ihrer zweiten Hälfte jedoch verliert die Serie viel von ihrer Qualität, die nur mit der Abwechslung durch die Abkehr von den gängigen Genre-Stereotypen nicht wett gemacht werden kann. Während die Story spannend und wendungsreich bleibt, wirken einige Überraschungen zu fabriziert. Umso weniger glaubwürdig werden sie angesichts des scheinbar gänzlichen Ausfalls der Produktionsqualität: Leben die ersten 13 Folgen noch von der Verknüpfung düsterer Stimmungselemente mit Geschichten individueller Schicksalsschläge, scheinen Animation, Musik und Sound in der zweiten Staffel statisch und wird der Fanservice dadurch unübersehbar und penetrant. Eine klare Schwerpunktsetzung auf die Handlung, moral-philosophische Überlegungen, Action oder Atmosphäre scheint nicht stattzufinden, einzig das klasse Opening erinnert noch an die Qualität der ersten Hälfte der Serie.

Die Abkehr von Klischees und damit den Erwartungshaltungen und Sehgewohnheiten des einschlägigen Publikums, zeigt sich damit bei Shikabane Hime, kann zwar die Zuschauer/innen erfrischen. Nichtsdestotrotz aber ist für sehr gute, emotional mitreißende Unterhaltung auch eine ansprechende und atmosphärische Produktionsqualität in der Umsetzung eben dieser Story nötig.


2 Antworten auf „Shikabane Hime“


  1. 1 ubik 31. Januar 2010 um 17:19 Uhr

    Also die Finger davon lassen? Mir stellen sich ja schon beim Wort „Fanservice“ die Nackenhaare auf.

    (du könntest übrigens gerne öfter solche Reviews hier einstellen!)

  2. 2 Thorben 07. Februar 2010 um 13:11 Uhr

    Der Anime ist schon sehenswert, besonders die erste Staffel. Nur in der zweiten Staffel lässt die Qualität leider arg nach, was schade ist; Zeit habe ich deshalb mit ihm jedoch nicht verschwendet :-)

    Mehr Reviews zu schreiben versuche ich schon seit Jahren, allerdings recht erfolglos… Mal schauen!

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