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Zankyou no Terror

Einstürzende Wolkenkratzer, youtube-Terrorvideos, dunkle Regierungsmachenschaften – das Rezept von Zankyou no Terror hat Potential für einen Anime, der aktuelle Themen der globalen wie auch der japanischen Politik popkulturell aufgreifen kann. Letztendlich stolpert die 11-teilige Serie zwar über viele Fallstricke – es geht mal wieder sehr stark um die Befindlichkeiten von Teenagern, einige Storyelemente sind ziemlich abstrus gegenüber einem ansonsten bemerkenswerten Realismus. Doch sie scheitert nicht an ihnen. Dafür ist die Produktionsqualität zu gut, die Geschichte zu spannend und unterhaltsam, wird mit einigen typischen Motiven des Genres (Stichwort Antiamerikanismus) gebrochen. Gewaltig irritierend ist allerdings das fast völlige Fehlen von Frauen in der Serie: Bis auf eine Ausnahme sind sie als handelnde Figuren schlichtweg nicht präsent. Da sollte selbst Japan weiter sein.

Zankyou no Terror

Die Chroniken von Erdsee

Man muss Universum Film / UFA dankbar sein, dass sie eine Anime-Sparte in ihr Programm aufgenommen haben und die Filme des grandiosen Ghibli-Studios in einer Reihe veröffentlichen. Wunderbare Filme wie Mein Nachbar Totoro, das geniale Öko-Märchen Prinzessin Mononoke oder fantastische Abenteuer wie Chihiros Reise ins Zauberland kommen so zu einer ansehnlichen DVD-Veröffentlichung.

Unter den neueren Filmen des Studios, das von den beiden Granden der Animationskunst, Hayao Miyazaki und Isao Takahata dominiert wird, findet sich auch Die Chroniken von Erdsee. Als Regisseur trat mit Miyazakis Sohn Gorō ein Mitglied der jüngeren Generation des Studios auf, um einen Roman der – mir unbekannten – Erdsee-Reihe von Ursula K. Le Guin umzusetzen.

Der Film weiß in den ersten Minuten mit dem typischen Charme zu bezaubern: Die Zuschauer/innen werden in eine fantastische Welt mitgenommen, die von Mystik gezeichnet ist, von der geheimnisvollen Existenz von Drachen und dem Untergang von Magiern. In seinen beeindruckenden Bildern und dem lebendigen Geschehen stellt der Film eine Welt vor, die an das post-antike Mittelmeer erinnert, in dem die Größe untergegangener Kulturen und Reiche verblasst und sich in den Ruinen zerfallener Städte Menschen sammeln, die mit Resignation und Verachtung auf die Vergangenheit blicken und mit Zynismus und Brutalität in der Gegenwart zu überleben versuchen. Dazwischen bewegt sich der junge Arren, ein Prinz, der seinen Vater ermordet hat und nun vor sich und seiner an Wahnsinn grenzenden Verzweiflung zu fliehen versucht. Als er von dem umerziehenden Magier Sperber aufgenommen wird, beginnt für ihn eine Reise, die Arren mit machtgierigen Zauberern, Drachenwesen und vor allem immer wieder sich selbst konfrontieren soll.

Was viel Potential verspricht, fällt in den dominierenden zwei Dritteln des Films leider mehr als flach und unspektakulär aus: Die Kulisse grandioser Ruinenstädte wird gegen einen unspektakulären Bauernhof und eine monoton finstere Burg ausgetauscht; Charaktere werden eingeführt, die rasante Sinneswandlungen ohne nachvollziehbare Entwicklung durchleben oder eine tiefe Hintergrundgeschichte andeuten, ohne diese jemals auszuführen; die weiblichen Hauptfiguren sind fast gänzlich untätig und überlassen die Initiative den männlichen Protagonisten; und die Handlung endet in einem finalen Turn, der urplötzlich aus dem Himmel fällt und mit keinerlei Erklärung aufzuwarten weiß. Ein Einfühlen in die Handlung wird dadurch erschwert oder gar unmöglich gemacht, dass man die Protagonisten eigentlich nie richtig kennenlernt. Paradoxerweise gelingt das gerade in den Szenen, in denen sie etwa in einer größeren Stadt im Umfeld vieler Menschen interagieren – Szenen, die zugunsten der scheinbaren Besinnlichkeit auf dem Land sehr kurz ausfallen.

So ist Die Chroniken von Erdsee ein Film, der mit tollen Bildern, prima musikalischer Untermalung und typischer Phantasie in der Präsentation einer glaubhaften und lebendigen Welt an viele Erfolgsrezepte anderer Werke aus dem Hause Ghibli anknüpft. In den wichtigen Bereichen von Handlung und Charakterentwicklung enttäuscht er jedoch. Das macht den Film nicht unansehbar, lässt ihn jedoch im Vergleich zu seinen Vorgängern mehr als verblassen. Da schaue ich mir beim nächsten Mal lieber zum zwölften Mal Prinzessin Mononoke an… Schade.

Final Fantasy XIII

Es ist eine schlechte Angewohnheit, in den Waren der Pop-Kultur beständig nach subversiven oder progressiven Elementen zu suchen, die diese über den bloßen Konsum hinaus mit dem eigenen linken Selbstverständnis in Einklang bringen können. Denn schließlich streut die Industrie nicht nur beständig interpretationswillige Schnipsel in ihre Produkte, sondern leben die Feuilletons gut von dieser symbiotischen Sinnsuche. Man schaue sich nur an, was sich alles in Avatar, dem visuell eindrucksvollsten Schund der letzten Jahre, mit seinen Billig-Botschaften finden ließ.

Nichtsdestotrotz: Die Filme von Hayao Miyazaki mochte ich bisher immer auch gerade deshalb, weil sie starke Frauen zu ihren Hauptfiguren machten – wenn auch die Süddeutsche kürzlich ohne weitere Angaben dem Regisseur ein recht konventionelles Rollenverständnis nachsagte. Toughe Protagonistinnen waren es auch, die mich im kürzlich erschienenen Final Fantasy XIII begeisterten. Doch nicht nur das: Das japanische Rollenspiel kann mit einer spannenden Geschichte, umwerfender Präsentation und eingängigem Spielfluss begeistern.

Wie alle Vorgänger der nie zusammenhängenden Reihe würfelt es in einem Fantasy-Setting eine Reihe von Charakteren zusammen, die ungewollt an eine Vorherbestimmung gebunden werden und sich darüber auseinandersetzen müssen, ob sie sich ihrem Schicksal fügen wollen. Dabei geht es im Finale mal wieder um nicht weniger als die Rettung der Welt, doch zugleich spielen persönliche Bindungen und Beziehungen der Figuren wie auch moralische Auseinandersetzungen und Verwerfungen eine große Rolle. Wie für das Genre typisch ist die Geschichte recht linear, ist die scheinbare Bewegungsfreiheit abseits der Storyline diesmal jedoch sehr eingeschränkt und warten keine Erkundung von Städten und Regionen oder das Absolvieren von Mini-Games auf die Spieler/innen. Das läßt sich jedoch verschmerzen durch das stetige Voranschreiten der Geschichte, die in einer Vielzahl von Ingame- oder Video-Sequenzen präsentiert wird. Was es dabei zu bewundern gibt, ist phänomenal: Eine fantasievolle und eindrucksvolle Grafikkulisse und ein mitreißender oder bewegender Soundtrack versetzten mich so einiges Mal in Erstaunen angesichts der HD-Pracht. Nicht weniger prächtig ist das Spielgeschehen selber, das mit einer lebendigen Umgebung und rasanten und actiongeladenen Kämpfen aufwartet. Selbst die englische Synchro konnte mich überzeugen.

Man mag einwenden, dass es all das in anderen Rollenspielen schon vielfältiger und komplexer gegeben hat, dass die Charaktere Rollentypen entsprechen und Idendifikationsmöglichkeiten bedienen sollen sowie die Story an einigen Stellen noch etwas mehr Tiefe oder Hintergründe etwas der Antagonisten verkraftet hätte. Dies verkennt jedoch, dass es dem Spiel nichtsdestotrotz ausgesprochen gut gelingt, Atmosphäre herzustellen und die Spieler/innen in seinen Bann zu ziehen. Dabei mutet es zwar immer mehr wie ein interaktiver Film an, der von Spielszenen unterbrochen wird. Doch nichtsdestotrotz ist es ein Erlebnis, dass in jeder Minute zu unterhalten weiß. Und dabei mehr Tiefe und Ausdauer zu bieten hat als so manches neuere westliche Fantasy-Spektakel wie eben Avatar.

Shikabane Hime

Fehlt mir die Langeweile über Anime-Klischees? Shikabane Hime ist eine der Action- bzw. Shounen-Serien, die mit den gängigen Vorstellungen des Genres brechen: Der jugendliche Protagonist steht nicht unvermittelt im Mittelpunkt brisanter Ereignisse, hat nicht urplötzlich ein Tête-à-tête mit einer außergewöhnlichen jungen Frau und wird episodenhaft vor Herausforderungen gestellt, die er dank außergewöhnlicher Fähigkeiten oder schlichtweg seiner Willenskraft im letzten Moment lösen kann.

Stattdessen erleben wir in der Geschichte um buddhistische Priester, die im Verbund mit wiedererweckten Toten rachsüchtige, sich ans Leben der anderen Lebenden klammernde Leichen endgültig ins Jenseits befördern, einen schmalärmeligen Teenager. Der steht den handelnden Akteuren oftmals nicht nur im Weg, sondern sorgt mit seinen idealistischen Entscheidungen für ernsthafte Probleme. Lange Zeit kann der Anime um eine so toughe wie tote junge Frau mitreißende Action, wenn die lebenden Leichen mittels Maschinenpistolen oder Prügel ausgeschaltet werden, mit Humor und einer fortschreitenden und unvorhersehbaren Story verknüpfen, die auch vor Überraschungen wie dem wiederholten Tod wichtiger Figuren nicht zurückschreckt.

In ihrer zweiten Hälfte jedoch verliert die Serie viel von ihrer Qualität, die nur mit der Abwechslung durch die Abkehr von den gängigen Genre-Stereotypen nicht wett gemacht werden kann. Während die Story spannend und wendungsreich bleibt, wirken einige Überraschungen zu fabriziert. Umso weniger glaubwürdig werden sie angesichts des scheinbar gänzlichen Ausfalls der Produktionsqualität: Leben die ersten 13 Folgen noch von der Verknüpfung düsterer Stimmungselemente mit Geschichten individueller Schicksalsschläge, scheinen Animation, Musik und Sound in der zweiten Staffel statisch und wird der Fanservice dadurch unübersehbar und penetrant. Eine klare Schwerpunktsetzung auf die Handlung, moral-philosophische Überlegungen, Action oder Atmosphäre scheint nicht stattzufinden, einzig das klasse Opening erinnert noch an die Qualität der ersten Hälfte der Serie.

Die Abkehr von Klischees und damit den Erwartungshaltungen und Sehgewohnheiten des einschlägigen Publikums, zeigt sich damit bei Shikabane Hime, kann zwar die Zuschauer/innen erfrischen. Nichtsdestotrotz aber ist für sehr gute, emotional mitreißende Unterhaltung auch eine ansprechende und atmosphärische Produktionsqualität in der Umsetzung eben dieser Story nötig.

Lovely Complex

In der Fülle romantischer Komödien unter den Anime ist es zuweilen schwer, nette Serien zu finden – zumal sich eine Vielzahl von Produktionen billiger Gender-Typologisierungen bedienen und stupide Harems-Klischees inklusive schlechter anzüglicher Witzchen für post-pubertierende Jungs oder überzogen romantisierende eindimensionale und oberflächliche Beziehungsdramen für Mädchen abliefern.

Obgleich auch in der Anime-Umsetzung des Mangas Lovely Complex die junge Koizumi Risa ihre Oberschul-Jahre durchlebt und vor Herausforderungen wie die erste Liebe oder Zukunftspläne gestellt wird, sticht die Serie durch eine Vielzahl von Eigenarten hervor. Die sind nicht nur im Setting zu suchen, dass die Hauptprotagonistin als überdurchschnittlich große Frau und ihren männlichen Widerpart als unterdurchschnittlich kleinwüchsig präsentiert. Beide Figuren sind darüber hinaus extrovertierte, schlagfertige und nicht unbedingt helle Charaktere, die fast unentwegt in einer Vielzahl schneller und hitziger Diskussionen, Streitereien und Neckereien aufeinandertreffen – Begegnungen, die dadurch noch einzigartiger werden, als dass die Handlung in Osaka spielt und alle Teilnehmenden den verschmirgelten örtlichen Dialekt sprechen.

Dadurch werden viele der typischen Erwartungshaltungen durchbrochen, die mit Shoujo-Stories einhergehen – hier wird nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und dient ein kurzer Satz des männlichen Angebeteten zur 20-minütigen Reflexion der Protagonistin, was sie wohl falsch gemacht hätte und ob sie ihren Adonis mit einer Valentins-Schokolade oder einem selbstgestrickten Weihnachtsgeschenk wieder gutmütig stimmen könnte. Zwar werden Gender-Zuschreibungen nicht durchbrochen, sondern nur angekratzt oder maximal zuweilen ignoriert, wenn der Hauptcharakter auch mal als gutmütiger Trottel mit Minderwertigkeitsproblemen oder eine Romanze nicht als Projektion, sondern Ergebnis einer langen Entwicklung und gemeinsamer Erlebnisse dargestellt wird. Doch zumindest erscheint die Geschichte dadurch nachvollziehbarer und nimmt nicht nur sich selbst und ihre Charaktere, sondern auch die Zuschauer/innen ernst, denen man nicht Plattitüden über die Jugend als Fluchtmöglichkeit aus der eigenen Erfahrung oder verklärte Erinnerung anbieten muss.

Freilich leidet auch Lovely Complex unter Problemen der Genre-Kollegen, wenn die Story sich im Endeffekt doch nur um die Beziehung der Hauptcharaktere dreht und Nebenfiguren eindimensional am Rande verbleiben. Gerade in der zweiten Hälfte der 24-teiligen Serie verliert sie zunehmend an Witz und Charme und werden fast in jeder Folge neue Herausforderungen in Form neuer Personen eingeführt, nur um daraufhin nie oder nur kurz wieder aufzutauchen. Die letzte Folge jedoch entschädigt mit einem unterhaltsamen Finale, indem sie temporeich alle Stärken der ersten Hälfte und des einzigartigen Witzes des „Comedy-Duos“ in einem Abschluss des gemeinsam beschrittenen Weges wieder zusammenbringt.

Somit erinnert die Serie zum Ende nochmal daran, dass sie über weite Strecken kurzweilige und witzige Unterhaltung anzubieten hatte, die mit vielen der bekannten Stereotypen romantischer Komödien brechen konnte. Sehr nett!

Nobuta wo Produce

Die Underdogs unter den Wimpelfähnchen – wer hat denn schonmal irgendwo Burundi flattern sehen? Nicht schlecht, und eine nette Auflockerung in dem sowieso schon netten J-Drama Nobuta wo Produce.

Ga-Rei Zero

Dass es die Sehgewohnheiten von westlichen Zuschauer/innen durcheinanderbringen kann, macht gerade deshalb das japanische Kino interessant – ohne es damit in der Exoten-Ecke kategorisieren zu wollen. Zuzusehen, wie der Geist eines Menschen gebrochen wird, ein Leben en détail zerstört wird, mögen Programmkino-Besucher/innen gewohnt sein; im Mainstream der Filmkunst folgt dem Drama jedoch zumeist ein versöhnliches oder ein heldenhaftes Ende.

Ein Anime, der sich dem in wesentlichen Teilen verweigert und stattdessen seinen Hauptcharakter zielstrebig in den Abgrund führt, ist die 12-teilige Fernsehserie Ga-Rei Zero aus dem vergangenen Jahr. Kündigt sich die erste Episode als scheinbar simples Action-Spektakel um paranormale Monster an, endet sie in einem plötzlichen Splatter-Spektakel an allen gerade erst eingeführten Charakteren – um in der nächsten Folge die eigentlichen Protagonisten und Antagonisten in einem weiteren Blutbad aufeinanderprallen zu lassen. Erst daraufhin begibt sich der Anime in einer tiefgehenden Charakterbetrachtung auf die Suche nach der Geschichte seiner Hauptpersonen, baut zu einer selbstbewußten jungen Frau und ihrem Umfeld eine nahe und ergreifende Bindung auf – um ihr und damit auch den Zuschauer/innen dann eine Reihe von Schlägen zu versetzen, die die Brutalität und den Hass der Einleitung zu erklären vermögen und in ein packendes Finale übergehen.

Dieses scheinbar simple Motiv, das letztendlich allerdings auch nicht ohne versöhnliche Elemente auskommt, ist in eine technisch mehr als saubere Ausführung verpackt, die den Anime zu einem spannenden Erlebnis macht und letztendlich auch Freund/innen von Action zufriedenstellen werden. Dies ist um so erstaunlicher, als dass der Anime die Vorgeschichte zu einem Shounen-Manga erzählt, den mittelmäßig zu nennen noch übertrieben wäre. Vergleichbar mit der OVA-Serie zu Rurouni Kenshin greift Ga-Rei Zero ein Teilelement aus einer gänzlich anderen Geschichte heraus und baut darauf eine eigene, charakter-getriebene Handlung auf.

Ga-Rei Zero ist damit freilich kein Meilenstein der japanischen Animationskunst, will auch gar keiner sein. Stattdessen liefert die Serie kurzweiliges und packendes Drama, das seine Zuschauer/innen bis zum tragischen Finale an den Bildschirm fesselt.

Ga-Rei Zero

The Tower of Druaga: The Aegis of Uruk

Einige Jährchen ist es her, dass ich meine Jugend in einer ostdeutschen Kleinstadt unmittelbar nach der Wende verbracht habe. Das ganze Sozialsystem der Zone befand sich damals in der Abwicklung: Die vielen Einrichtungen für Jugendliche, vorher FDJ-Clubs, waren zwar noch vorhanden, aber das Personal für die Betreuung von uns Kindern wurde wegen seiner Gesinnung oder aus schlichtem Geldmangel gefeuert. Kein Problem allerdings: Dafür gab es Amigas, Sega Master Drives und später dann Super Nintendos, um uns Kids zu beschäftigen und von der Monotonie des Zuhauses und der arbeitslos gewordenen Eltern fernzuhalten. Einfach, effektiv und prima für alle Beteiligten.

Alex Kid, Super Mario und die ganze Bande der Street Fighter waren damals die beliebten Begleiter meiner Generation. Wer – je nach Lokalität – nicht immer das notwendige Kleingeld für eine Stunde Zockerei dabei hatte oder sich zum Joypad durchboxen konnte, dessen Horizont erweiterte sich um die weniger favorisierten Spiele; ein Pong-Automat etwa mit Rädern als Controllern, ein Robocop-Vektor-Game oder eben diverse Varianten von Gauntlet.

In dem Fundus solcher Hack‘n'Slay-Spiele haben auch die Macher von Gonzo gewühlt, als sie sich jüngst an eine Videospielverfilmung machten. Herausgekommen ist mit The Tower of Druaga: The Aegis of Uruk eine der besten Anime-Serien der letzten Zeit: Durch 13 Folgen begleiten die Zuschauer/innen eine Party bei ihrer Zusammenfindung und schließlich der Schatzsuche durch den Turm von Druaga, die nicht nur mit Action, Dramatik und einer Prise Romantik überzeugen können. Zugleich wird das Treiben mit jeder Menge Referenzen an die Anime- und Computerspielgeschichte wie auch einem selbstironischen Blick auf das Tun der Macher der Serie angereichert – die Grenzen zwischen Rang und Bühne, zwischen Spiel und Animation, verschwimmen, wenn die Charaktere etwa unvermittelt das der Serie zugrunde liegende Computerspiel inklusive des Pixellooks der 80er Jahre steuern. Schon das (geniale und rockige) Opening spielt mit den Seegewohnheiten eines Publikums, dessen Leben wie auch Sehgewohnheiten und -erwartungen sich von den Eckpunkten Schulalltag und massenmedialer Konsumgesellschaft fixieren lassen (hier ansehen oder hier oder hier runterladen).

Nichtsdestotrotz geht es um Unterhaltung: Zwischen den großen Überraschungen der ersten wie der letzten Folge zugleich werden rauhe Held/innen, pompöse Könige, aufregende Monster-Kämpfe mit Werwölfen oder Slimes, bombastische Zauber und nicht zuletzt beeindruckende Drachen geboten. Die Story um den jungen Abenteurer Jil und seine Gefährt/innen wie Konkurent/innen und Gegner/innen kann in ihrer Grundstruktur gemäß der Herkunft aus einem Computerspiel, in dem man Dutzende Stockwerke eines Turmes bis zum finalen Bösewicht erklimmen muss, zwar nur geradlinig sein. Die perfekte Ausführung und subtile Tiefe, die die Macher/innen des Anime ihm haben zukommen lassen, machen ihn jedoch zu einer Empfehlung.

Als einer der ersten Anime wurde Druaga übrigens neben der TV-Ausstrahlung in Japan gleichzeitig im Internet von Gonzo gratis bzw. für einen geringen Obulus auch zum Download mit englischen Untertiteln angeboten. Prima Sache, um die Produzent/innen für ihr Werk zu unterstützen und die Zeit bis zum möglichen DVD-Release in den USA zu überbrücken. Dieses wird wohl zwar noch eine Weile dauern; mit größerer Ungeduld ist jedoch die zweite Staffel der Serie zu erwarten, die Mitte 2009 ausgestrahlt werden soll und die Geschichte weiterführt.