Archiv der Kategorie 'Klickerei'

Final Fantasy XIII

Es ist eine schlechte Angewohnheit, in den Waren der Pop-Kultur beständig nach subversiven oder progressiven Elementen zu suchen, die diese über den bloßen Konsum hinaus mit dem eigenen linken Selbstverständnis in Einklang bringen können. Denn schließlich streut die Industrie nicht nur beständig interpretationswillige Schnipsel in ihre Produkte, sondern leben die Feuilletons gut von dieser symbiotischen Sinnsuche. Man schaue sich nur an, was sich alles in Avatar, dem visuell eindrucksvollsten Schund der letzten Jahre, mit seinen Billig-Botschaften finden ließ.

Nichtsdestotrotz: Die Filme von Hayao Miyazaki mochte ich bisher immer auch gerade deshalb, weil sie starke Frauen zu ihren Hauptfiguren machten – wenn auch die Süddeutsche kürzlich ohne weitere Angaben dem Regisseur ein recht konventionelles Rollenverständnis nachsagte. Toughe Protagonistinnen waren es auch, die mich im kürzlich erschienenen Final Fantasy XIII begeisterten. Doch nicht nur das: Das japanische Rollenspiel kann mit einer spannenden Geschichte, umwerfender Präsentation und eingängigem Spielfluss begeistern.

Wie alle Vorgänger der nie zusammenhängenden Reihe würfelt es in einem Fantasy-Setting eine Reihe von Charakteren zusammen, die ungewollt an eine Vorherbestimmung gebunden werden und sich darüber auseinandersetzen müssen, ob sie sich ihrem Schicksal fügen wollen. Dabei geht es im Finale mal wieder um nicht weniger als die Rettung der Welt, doch zugleich spielen persönliche Bindungen und Beziehungen der Figuren wie auch moralische Auseinandersetzungen und Verwerfungen eine große Rolle. Wie für das Genre typisch ist die Geschichte recht linear, ist die scheinbare Bewegungsfreiheit abseits der Storyline diesmal jedoch sehr eingeschränkt und warten keine Erkundung von Städten und Regionen oder das Absolvieren von Mini-Games auf die Spieler/innen. Das läßt sich jedoch verschmerzen durch das stetige Voranschreiten der Geschichte, die in einer Vielzahl von Ingame- oder Video-Sequenzen präsentiert wird. Was es dabei zu bewundern gibt, ist phänomenal: Eine fantasievolle und eindrucksvolle Grafikkulisse und ein mitreißender oder bewegender Soundtrack versetzten mich so einiges Mal in Erstaunen angesichts der HD-Pracht. Nicht weniger prächtig ist das Spielgeschehen selber, das mit einer lebendigen Umgebung und rasanten und actiongeladenen Kämpfen aufwartet. Selbst die englische Synchro konnte mich überzeugen.

Man mag einwenden, dass es all das in anderen Rollenspielen schon vielfältiger und komplexer gegeben hat, dass die Charaktere Rollentypen entsprechen und Idendifikationsmöglichkeiten bedienen sollen sowie die Story an einigen Stellen noch etwas mehr Tiefe oder Hintergründe etwas der Antagonisten verkraftet hätte. Dies verkennt jedoch, dass es dem Spiel nichtsdestotrotz ausgesprochen gut gelingt, Atmosphäre herzustellen und die Spieler/innen in seinen Bann zu ziehen. Dabei mutet es zwar immer mehr wie ein interaktiver Film an, der von Spielszenen unterbrochen wird. Doch nichtsdestotrotz ist es ein Erlebnis, dass in jeder Minute zu unterhalten weiß. Und dabei mehr Tiefe und Ausdauer zu bieten hat als so manches neuere westliche Fantasy-Spektakel wie eben Avatar.

The Tower of Druaga: The Aegis of Uruk

Einige Jährchen ist es her, dass ich meine Jugend in einer ostdeutschen Kleinstadt unmittelbar nach der Wende verbracht habe. Das ganze Sozialsystem der Zone befand sich damals in der Abwicklung: Die vielen Einrichtungen für Jugendliche, vorher FDJ-Clubs, waren zwar noch vorhanden, aber das Personal für die Betreuung von uns Kindern wurde wegen seiner Gesinnung oder aus schlichtem Geldmangel gefeuert. Kein Problem allerdings: Dafür gab es Amigas, Sega Master Drives und später dann Super Nintendos, um uns Kids zu beschäftigen und von der Monotonie des Zuhauses und der arbeitslos gewordenen Eltern fernzuhalten. Einfach, effektiv und prima für alle Beteiligten.

Alex Kid, Super Mario und die ganze Bande der Street Fighter waren damals die beliebten Begleiter meiner Generation. Wer – je nach Lokalität – nicht immer das notwendige Kleingeld für eine Stunde Zockerei dabei hatte oder sich zum Joypad durchboxen konnte, dessen Horizont erweiterte sich um die weniger favorisierten Spiele; ein Pong-Automat etwa mit Rädern als Controllern, ein Robocop-Vektor-Game oder eben diverse Varianten von Gauntlet.

In dem Fundus solcher Hack‘n'Slay-Spiele haben auch die Macher von Gonzo gewühlt, als sie sich jüngst an eine Videospielverfilmung machten. Herausgekommen ist mit The Tower of Druaga: The Aegis of Uruk eine der besten Anime-Serien der letzten Zeit: Durch 13 Folgen begleiten die Zuschauer/innen eine Party bei ihrer Zusammenfindung und schließlich der Schatzsuche durch den Turm von Druaga, die nicht nur mit Action, Dramatik und einer Prise Romantik überzeugen können. Zugleich wird das Treiben mit jeder Menge Referenzen an die Anime- und Computerspielgeschichte wie auch einem selbstironischen Blick auf das Tun der Macher der Serie angereichert – die Grenzen zwischen Rang und Bühne, zwischen Spiel und Animation, verschwimmen, wenn die Charaktere etwa unvermittelt das der Serie zugrunde liegende Computerspiel inklusive des Pixellooks der 80er Jahre steuern. Schon das (geniale und rockige) Opening spielt mit den Seegewohnheiten eines Publikums, dessen Leben wie auch Sehgewohnheiten und -erwartungen sich von den Eckpunkten Schulalltag und massenmedialer Konsumgesellschaft fixieren lassen (hier ansehen oder hier oder hier runterladen).

Nichtsdestotrotz geht es um Unterhaltung: Zwischen den großen Überraschungen der ersten wie der letzten Folge zugleich werden rauhe Held/innen, pompöse Könige, aufregende Monster-Kämpfe mit Werwölfen oder Slimes, bombastische Zauber und nicht zuletzt beeindruckende Drachen geboten. Die Story um den jungen Abenteurer Jil und seine Gefährt/innen wie Konkurent/innen und Gegner/innen kann in ihrer Grundstruktur gemäß der Herkunft aus einem Computerspiel, in dem man Dutzende Stockwerke eines Turmes bis zum finalen Bösewicht erklimmen muss, zwar nur geradlinig sein. Die perfekte Ausführung und subtile Tiefe, die die Macher/innen des Anime ihm haben zukommen lassen, machen ihn jedoch zu einer Empfehlung.

Als einer der ersten Anime wurde Druaga übrigens neben der TV-Ausstrahlung in Japan gleichzeitig im Internet von Gonzo gratis bzw. für einen geringen Obulus auch zum Download mit englischen Untertiteln angeboten. Prima Sache, um die Produzent/innen für ihr Werk zu unterstützen und die Zeit bis zum möglichen DVD-Release in den USA zu überbrücken. Dieses wird wohl zwar noch eine Weile dauern; mit größerer Ungeduld ist jedoch die zweite Staffel der Serie zu erwarten, die Mitte 2009 ausgestrahlt werden soll und die Geschichte weiterführt.